Ausdruck feiner Art der Wahrnehmung Als roter Faden zieht sich das Thema "Frau und Natur" durch die Ausstellung "Emotio schlägt Ratio" in der Freudenberger Amtshausgalerie. Die Bilder sind mit Aquarell- und Acrylfarben auf Leinwand oder Karton aufgetragen. Im Ganzen oder als Teile, die als Collagen eine neue Form erhalten, präsentieren sie sich in den Aussstellungsräumen. Farbe, Licht, Formen und Linien sind Hauptmerkmal der Werke. "Roths Kunst ist Ausdruck ihrer eigenen menschlichen Kreativität. Sie ist aus ihrem Dialog als Mensch mit der Natur und dem, was sie selbst sieht, hervorgegangen. Die Wiedergabe ihrer Eindrücke in Bildern lässt uns ihre feine Art der Wahrnehmung miterleben", sagte Bürgermeister Heinz Hofmann. So gibt es einen fünfteiligen "Weibsbilderfries", dessen Entstehung nach Aussagen Roths von Balzac's Sittengeschichte inspiriert ist. Korrespondierend zu den Frauendarstellungen im Bild hat Ruth Roth kleine Tonfiguren geschaffen, die sie etwa "ruhende Sofafrauen" nennt. Zum Schmunzeln brachte Galerieleiterin Astrid Wulf die Besucher mit ihrer Aussage, sie sehe in den Figuren, halb Sofa, halb Frau, durchaus eigenständige und starke Wesen, die sich selbst genug seien und nicht etwa auf jemanden warten, der in die Arme genommen werden will.
Ein Bild ist eine Montage verschiedenster Elemente, es vereint visuelle, gedankliche und gefühlsmäßige sowie imaginäre Elemente in sich.
Sowohl der Maler/Malerin, der die Bilder geschaffen hat, wie auch der Betrachter, der sich mit ihnen auseinandersetzt, schöpft aus zahlreichen Quellen, die in das Bild einfließen – Gesellschaft, Religion, Philosophie, Bildung allgemein und natürlich ganz stark das eigenen Lebens- und Erfahrungsumfeld.
Dieses Prinzip gilt in besonderer Weise auch für die Werke von Ruth Roth, die in ihrer ganz eigenen und unverwechselbaren Handschrift, diese Elemente des Sehens, des Fühlens und der Einbildung und Vorstellung variiert, und uns als Betrachter mit auf einer Reise nimmt durch Landschaften und Begegnungen mit Menschen. Ruth Roth gelingt es auf vielseitige und abwechslungsreiche Art und Weise, den Betrachter anzusprechen und anzuregen, indem er in eigenen Gedanken und Vorstellungen in ihren Bildern wandert, Atmosphäre empfindet oder sich selbst in zwischenmenschlichen Situationen wiedererkennt.
Das alles gelingt Ruth Roth auf sehr subtile Weise, versteckt und geheimnisvoll, ohne dass wir es wirklich merken, sind wir immer mitten in ihren Bildern. Nach dem Motto "Weniger ist mehr!" entstehen ausdrucksvolle und tiefgründige Bilder: Aus Farbe und Licht werden Waldlandschaften, aus klaren, schnörkellosen, fast sparsame Linien und Formen Landschaften, aus Linien und Farben erotische Körperbilder, aus minimalistischen Linien (und Zeichnungen) treffende Menschen- und Beziehungsstudien.
Der rote Faden, der die Bilder von Ruth Roth verbindet, liegt in der Reduzierung auf das Wesentliche, die Konzentration auf Farbe und Licht sowie auf Formen und Linien:
Szenen im Wald:
Wie auch immer Sie sich, jeder persönlich, angesprochen oder getroffen fühlt, sie sind mitten in den Bildern mit ihren Vorstellungen und Gefühlen. Und es entsteht der Eindruck, die Bilder leben, Wie kommt das? Durch den Einsatz der Farbe! Das Licht der Sonne, in gelber Farbe / Farbstufungen wiedergegeben, vermittelt Wandlung, Veränderung und Dynamik – so auch die Bedeutung in der psychologischen Farbenlehre. Aus unserer Erfahrung und Kenntnis unserer Umwelt und der Natur, wissen wir, bzw. rechnet unser Rechenzentrum im Hirn beim Sehen, fließt in das Bild mit ein, dass der Lichtstrahl nichts statisches ist. Lebendigkeit und Bewegtheit im Bild (obwohl die Bäume selbst sich ja nicht bewegen können) wird auch durch eine ganz dynamische und temperamentvolle Pinselführung unterstützt, die zudem aus dem spannungsreichen Kontrast von Plan und Zufall oder Vorsatz und Intuition besteht. Das – nicht gänzlich planbare - Element der laufenden oder gespritzten Farbe, findet sich öfters in den Werken von Ruth Roth , wie z.B. in den Waldbildern und den Seerosen und erfordert natürlich eine gewisse Experiementierfreude und Mut. Die Gefahr besteht, ein Bild zu verunstalten, es zeugt aber auch von der Gelassenheit und der Freiheit etwas aus den Händen zu geben, nicht mehr ganz bis ins Detail selbst zu bestimmen, sondern sich unterzuordnen und die Farbe sich selbst zu überlassen.
Facit: Das Ergebnis stimmt und passt in wunderbarer Weise immer zum Gesamteindruck des Bildes!
Eine stimmige und harmonischen Einheit und ein ganz eigener Stil, eine unverwechselbare Handschrift.
Landschaftscollagen:
Mit wenigen, zumeist horizontal angeordneten Linien und Farbflächen, entstehen komplexe Landschaftsgefüge, die sanft und klar und überschaubar sind und vollkommen. Es braucht nicht mehr, aber es fehlt auch nichts! Landschaften, die große Ruhe und Frieden ausstrahlen, und den Eindruck von tiefer Harmonie vermitteln, Wohlklang von Farben und Formen. Man ist als Betrachter geneigt, sich beschaulich in die Bilder zu versenken, und mit Augen und Geist gleichsam durch die Landschaft zu wandern. Höhen – Tiefen, Berge – Täler zu durchschreiten, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen, Ausblicke zu genießen, aber auch die Sicht auf die Nähe zu haben, also Großes und Kleines, Weite und Enge in einem zu überschauen. In ihren Collagen schafft Ruth Roth eine vollkommen neue Landschaft, komponiert und inszeniert quasi ganz frei ein Stück Natur, für die es kein reales Vorbild gibt, bei deren Gestaltung sie aber auf "erlebte" Landschaft zurückgreift: Verschmelzen von Natur und Fantasie!
"Szenen aus dem Leben", Zeichnung
...illustrieren die unterschiedlichsten Seiten des menschlichen Lebens, vor allem von zwischenmenschlichen Beziehungen. Zum Ausdruck kommen Nähe – Distanz, Jung – Alt, Intimität, Verliebtheit, Krisen – Harmonie, Glück – Freude, Zufriedenheit, .... und das alles ausgedrückt durch eine Linie oder wenige Striche! Weniger geht wirklich nicht mehr! Und trotzdem so viel Ausdruck und Gefühl ! - Ja fast kleine Filmszenen, die dazu im Kopf entstehen.
Meine persönliche Hochachtung vor solchen Skizzen, sie sind höchster Ausdruck/Form von künstlerischer Fähigkeit und Talent. Vieles kann man lernen/sich aneignen in der Malerei, aber diese Zeichnungen sicher nicht , sie kommen aus dem Inneren.....
(Text Anja Lippert, Würzburg)
Kunst als Interpretin der Natur.
" Je weiter man sich von der Natur entfernt und doch natürlich bleibt, umso größer ist die Kunst". Das hat einmal Emil Nolde geschrieben. Wie recht er hat! Wer Ruth Roth als Künstlerin näher kennt und erfahren hat, dem muß irgendwann aufgefallen sein, daß sie, was Emil Nolde sagt, von ihrer Warte aus erfüllt. Ruth Roth blickt in die Ferne und sieht in der Näh', wie Goethe in der zweiten Strophe des Türmerlieds schreibt, aber sie behält immer den Überblick. Meist erschaut sie ihre Gegenstände, ihre Objekte nicht im Gegenüber, sondern von oben herab, aber nicht aus Hochmut. Sie steht gleichsam über der Sache und fängt sie ein und hält sie aus diesem Aspekt in der wesenhaften Kreatürlichkeit fest: in der Fröhlichkeit praller, kräftiger Farben. Auch in ihren Blumenmotiven dekliniert sie Farbtöne zu Klangfarben, die aus dem momentanen Eindruck vitaler Kraft geboren werden. Die Idylle, in die man gerne aus Angst vor der Wirklichkeit flieht, sucht man bei Ruth Roth vergebens. Sie weiß, daß es einer echten Künstlerin um die Wahrheit zu tun ist, daß man gegen Oberflächlichkeit, Vermassung und Lüge unserer Zeit Kunstwerke schaffen muss, die nicht so rasch ausdeutbar sind und uns in ihrem Chiffren-Charakter auch Rätsel aufgeben, die nach Deutung verlangen. Die Chiffren des Lebendigen preisen die kostbare Schönheit der Natur, ob in den Blumen oder in den Körperlandschaften, lebensecht, sinnerfassend, leicht und doch fest und sicher im Pinselstrich, klar und präzise und anmutig zugleich. Roths Aquarelle erfreuen, erheben und trösten. Sie verweisen uns in eine Wirklichkeit, die uns zeigt, dass es in unserem Leben auch noch etwas anderes gibt als kalte Realität und beängstigend stark um sich greifende Monotonie.
Ruth Roths achtteiliger Aquarell-Zyklus "Let The Good Time Roll" war das ideale Bindeglied zwischen dem anspruchsvollen Jazz der Musiker um John Defferary und der gegenständlichen Kunst. Die Einzelbeiträge beschreiben die Stimmen einer klassischen New Orleans-Jazzband: das grelle, dominante Blau und Gelb der Trompete, das zart-orange, warme Sehnen des Saxophons, den ruhigen rosabraunen Bogen des Basses, das verhalten leuchtende violett-gelbe Perlen des Pianos, die aufgeregt wirbelnden tiefblauen Farbspritzer des Schlagzeugs, das blecherne Scheppern des Banjos. Spontan und voller Bewegung ist der Jazz-Zyklus und gibt Aufschluss über die Arbeitsweise der Malerin.
Die sensible Energie, mit der die Malerin ihren Pinsel führt, lässt bei aller Konzentration Platz für den Zufall. Das macht auch ihre "Landschaftsinspirationen" für Intellekt und Gefühl ansprechend: Aus intensiv blauen Schlieren schält sich ein atemberaubender Blick über die hügelige Weite einer Landschaft heraus (s. Galerie). Aus horizontalen und vertikalen Linien und Klecksen in Braun, Grün und Blau duftet herbstlicher Spessartwald.."
Wundervoll erotisch sind Roths "Körperlandschaften", die an samtige Pfirsichhaut denken lassen, an transparente, weich fallende Gewänder, unter denen weibliche Rundungen hervor schimmern. Welch unbeschwerte Lebensfreude strahlt aus der humorvoll-verschmitzten "Sommerfrische": zwei langstielige Weingläser zwischen rotlackierten Fusszehen, leuchtenden Sonnenblumen und einer kugelrunden Frauenbrust (Mainecho Juni 2000)
... „Roth malt, als abstrahiere sie zunächst ihre Motive psychedelisch konzentriert ins Surreale, um sie dann cool ins Bewusstsein zu heben und mit raffiniertem Kalkül und meisterlichem Pinsel gefällig ins Bild zu setzen. – Sätze aus dem Ausstellungs-Eröffnungspoem der Künstlerin inhaliert man gerne weil sie den meisterlichen Manierismus ihrer Bilder eindrücklich verstärken. (Hohenloher Tagblatt 2000)
... Ihre Bildwelten zeichnen sich durch in sich ruhende Harmonie und einen Wohlklang von Formen und Farben aus, verbinden Fantasie und Natur zu einer ausgleichenden Symbiose, vermischen den Gegenstand mit dem Zufall zu einem neuen Gebilde. Trotz hohem Abstraktionscharakter finden Rückgriffe auf vegetative oder dingliche Formen statt, die Raum für Assoziationen lassen, die Fantasie beflügeln, sich selbst ein Bild aus der Fülle von Formen und Farben zu schaffen: ein in Licht schwebender Wald, eine von Luft und Licht durchdrungene Landschaft oder erdige, stofflich amorphe Gebilde von geheimnisvollem Aussehen und wuchernder Kraft. Ahnungen von Steinen, Moos, spiegelndem Wasser... aber auch sinnenhafte Körperformen, verschlüsselt und doch erahnend verhüllt, in zarten, weichen, warmen fließenden Formen von fragiler Transparenz oder dunkler schwerer Stofflichkeit, Bildmetaphern weiblicher Inspirationskraft.“ (Laudatio W. Krug April 2000)
... „Ihre Arbeiten sind gekennzeichnet von einer ganz persönlichen, meisterhaften Handschrift, die von beeindruckender Intensität ist. Manchmal durch Aphorismen untermauert – die Künstlerin überzeugt auch als Autorin und darüber hinaus als gesuchte Meisterin der Illustration – haben ihre in experimenteller Manier ausgeführten Aquarelle nachdenklich bis heiter-ironisch stimulierende Themen zum Inhalt und machen oft auf menschliche und damit konsequenterweise „zwischenmenschliche“ Anliegen aufmerksam. (Steigerwaldbote 1998)
... Ihre (Roth's) Arbeiten verdeutlichen eine hohe Interpretationsfähigkeit zwischen realem Leben einerseits und emotionalem, seelischen Sein andererseits. ... Es macht die Ausstellung mit Bildern Ruth Roths zu einem betrachtens- und bedenkenswerten Ereignis. (Thomas Hampus Heidenheimer Zeitung 1996)